17th November 2019

Warum Selbstpflege nicht egoistisch sondern notwendig ist

Self care (c) KarinSieger.com

Selbstpflege ist für unser Wohlbefinden unerlässlich. Aber warum kann uns dieses Konzept ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle geben? Wie können wir unsere Selbstpflege verbessern?

Die Idee der Selbstpflege ist weit verbreitet und beliebt. Sich um uns selbst zu kümmern bedeutet aber auch, sich an erste Stelle zu setzen. Und das ist leichter gesagt als getan. Denn wenn wir das tun, fühlen wir uns möglicherweise schuldig und beschämt.

1. Selbstpflege und Schuldgefühle: Unsere Werte

Je nach Alter, sozialem, religiösem Hintergrund und Werten kann es ein wichtiger Eckpfeiler Deiner Kultur sein, andere an erste Stelle zu setzen. Damit habe ich kein Problem. Ich wurde auch so erzogen. Selbstlosigkeit und ein soziales Gewissen sind wertvoll und wichtig.

Womit ich mich, wie vielleicht Du auch, schwer getan habe, ist das Erlernen der Selbstpflege Fähigkeit.

Ich war zu beschäftigt damit, mich um andere zu kümmern, einschließlich vieler, die meine Hilfe nicht brauchten, und übersah meine eigenen Bedürfnisse.

Ich glaubte, dass der Sozialcode, dem ich folgte, auch für mich sorgen würde. Leider war das nicht so.

Es bedeutete auch nicht, dass ein guter Mensch im Gegenzug gut behandelt wird. So naiv es jetzt auch klingen mag, dieser Penny ist erst viel später in meinem Leben gefallen.

Wenn das auch auf Dich zutrifft, dann kennst Du vielleicht das Unbehagen, das wir empfinden können, wenn wir uns an erste Stelle setzen.

Warum? Weil wir vielleicht von anderen (und uns selbst?) als egoistisch, arrogant und asozial beurteilt werden?

Wenn wir uns an erste Stelle setzen, können wir uns unwohl, verlegen, schuldig und schüchtern fühlen.

2. Was wir für die Liebe tun

Abhängig von unserer Erziehung haben wir möglicherweise auch den Glauben entwickelt, dass Liebe, Lob und Anerkennung mit der Fürsorge verbunden sind, die wir für andere zeigen.

Und oft trotz aller Sorgfalt, die wir zeigen, bekommen wir nicht die Liebe, die wir brauchen. Also strengen wir uns an – mehr und mehr. Und trotzdem reicht es nicht aus und wir sind (anscheinend!) nicht gut genug.

Und so setzen wir andere an erste Stelle, in der Hoffnung geliebt und anerkannt zu werden (in Beziehungen, auf der Arbeit usw).

Und somit verknüpfen wir bewusst oder unbewusst Liebe und positive Wertschätzung mit Bedingungen: “Wenn ich” x “tue, erhalte ich Liebe.” Aber das funktioniert schlecht.

Wahre Liebe ist bedingungslos.

Der Glaube, dass wir nicht ‘liebens-würdig’ sind, ist eine der schädlichsten Unwahrheiten, die unser Leben ruinieren können.

Deshalb fällt es vielen von uns leichter, anderen Komplimente zu geben, als sie selbst von anderen anzunehmen.

3. Der Moment des Erwachens

Langfristig kann uns zu viel Fürsorge für andere auf Kosten unserer eigenen Bedürfnisse enttäuschen, verbittern, verärgern und uns unwohl machen.

Und irgendwann in unserem Leben werden wir aufwachen und feststellen, wie einseitig dieses Geschäft mit der Fürsorge geworden ist.

Und dann müssen wir auch erkennen, dass wir mitschuldig waren (wenn selbst aus den besten Gründen und mit den besten Absichten).

Wenn wir immer Dinge für andere tun, wann werden sie dann lernen, unabhängig zu werden?

Wann werden sie feststellen, dass eine Änderung ihrer Einstellung zu uns und zu zwischenmenschlichen Beziehungen erforderlich ist?

4. Selbstsorge kann zu Konflikt führen 

Möglicherweise haben wir auch die Befürchtung, dass Selbstsorge zu Konflikten mit anderen führen kann, insbesondere mit denen, die es gewohnt sind, sie an erste Stelle zu setzen.

Wenn wir anderen Aufmerksamkeit, Zeit und Ressourcen entziehen, dann werden sie dies bemerken und darauf reagieren. Und ich beziehe mich da mit ein!

Auf was man hoffen sollte, ist das der andere uns

  • nach einer Erklärung fragt und dann darüber nachdenkt;
  • nicht sofort urteilt und beschuldigt und uns als ‘selbstsüchtig’ abstempelt;
  • unsere Bedürfnisse mit unterstützt. Vielleicht mit ein bisschen Schmollen und Murren.

5. Die Fähigkeit der Selbstpflege

Zu lernen sich selbst an erste Stelle zu setzen bedeutet:

  • ‘Nein’ zu sagen.
  • Konsequent zu sein.
  • Zu delegieren.
  • Andere um Hilfe zu bitten.
  • Anderen erlauben, die Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen.

Wenn wir diese Selbstpflege nicht gewohnt sind, dann kann es durchaus eine Weile dauern, bis wir uns daran gewöhnt haben, uns auf unseren Körper, Geist und Gefühle einzustimmen. Denn die lassen uns wissen, was wir brauchen.

Es kann eine Weile dauern, bis wir lernen, unserer Intuition und unserem Urteilsvermögen zu vertrauen.

Warum?

Weil wir vielleicht diesen schönen, komplexen, klugen und so wertvollen internen Mechanismus, der uns Lebensorientierung gibt, zu wenig genutzt haben.

Lass Dich nicht entmutigen, wenn es eine Weile dauert. Nichts ist eine Verschwendung, alles kommt Dir zugute!

6. Es geht nicht um Wettbewerb

Die Selbstpflege muss nicht Fürsorge für einen anderen ausschliessen. Ein gesundes Gleichgewicht kann erreicht werden.

Und es kann Momente geben, in denen wir uns entscheiden, unsere eigenen Bedürfnisse für die eines anderen zu opfern. Dies kann jedoch kein dauerhafter Zustand werden.

Selbstsorge ist nicht egoistisch. Es ist ein uns selbst und anderen gegenüber verantwortliches Verhalten.

Ohne diese Verantwortung zu verstehen und zu respektieren, wird unser Leben weniger Lebendigkeit, Farbe, Energie, Potenzial, Gleichgewicht, Möglichkeiten, Liebe und Frieden haben.

Foto via Pixabay

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